Tarifvertrag für private versicherungswirtschaft

Darüber hinaus haben AGV und ver.di im August 2011 eine Pauschalzahlung von 350 Euro ausgehandelt, obwohl die Beschäftigten der unteren Lohngruppen A, B und I, II, eine höhere Einmalzahlung von 450 Euro erhalten. Die Jahresvergütung der Auszubildenden in der Versicherungswirtschaft wird zum 1. September 2011 um 25 € und am 1. Oktober 2012 um den gleichen Betrag erhöht. Die deutsche Versicherungswirtschaft hatte eine Schiedsvereinbarung bis zum 30. Juni 1980, als sie von den Gewerkschaften gekündigt wurde. Seitdem wurde sie nicht verlängert, weil beide Verhandlungsparteien entschieden, dass es besser wäre, vernünftige Lohnabschlüsse untereinander abzuschließen – ohne einen Schiedsrichter. In Schweden betrug der Tarifvertrag 2017 90 % aller Beschäftigten (im privaten Sektor 83 %, im öffentlichen Sektor 100 %).[ 2] [3] Im Jahr 2017 betrug die Gewerkschaftsdichte 69 % (64 % im privaten Sektor, 79 % im öffentlichen Sektor). Im Juli 2011 unterzeichneten der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) und die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) einen neuen Tarifvertrag für die Versicherungswirtschaft, an dem rund 160.000 Büroangestellte betroffen sind.

Die Verhandlungen wurden von mehreren symbolischen Streiks begleitet. Laut einer Pressemitteilung von ver.di haben sich im Juni und Juli 2011 rund 10.000 bzw. 7.700 Versicherungsbeschäftigte an Arbeitskampfmaßnahmen beteiligt. Wird ein für beide Seiten annehmbarer Kompromiss gefunden, wird der Text des Abkommens ausgearbeitet und das Dokument unterzeichnet. Schließlich informieren der Arbeitgeberverband und die Gewerkschaften ihre jeweiligen Mitglieder und die Öffentlichkeit über den abgeschlossenen Tarifvertrag. Am 22. Juli 2011 sagte Josef Beutelmann, Vorsitzender der AGV und ihr Chefunterhändler, der Kompromiss sei “einfach erträglich für die Branche”. Ver.di erklärte jedoch in einem im Juli 2011 veröffentlichten Dokument (330 KB PDF), dass sich der Kampf um den neuen Deal “gelohnt” habe.

Während die Lohnerhöhung und die Pauschalzahlungen höhere tatsächliche Verdienste für die Arbeitnehmer bedeuten, hat die Gewerkschaft betont, dass sie eine Verschlechterung der tariflichen Standards verhindert hat. Der Tarifvertrag oder die Gewerkschaftsvertretung bezieht sich auf den Anteil der Menschen in einer Bevölkerung, deren Arbeitsbedingungen durch Tarifverhandlungen zwischen einem Arbeitgeber und einer Gewerkschaft und nicht durch Einzelverträge erfolgen. Dies ist immer höher als die Gewerkschaftsmitgliederquote, da Tarifverträge fast immer Nichtmitglieder in einem gewerkschaftlich organisierten Arbeitsplatz schützen. Das bedeutet, dass sich die Menschen nicht über Eine schwächere Verhandlungsmacht in Verhandlungen, sondern organisieren, um sich gegenseitig zu vertreten, wenn sie über bessere Löhne und Bedingungen am Arbeitsplatz verhandeln. Die Zahl der Personen, die unter Tarifverträge fallen, ist höher als die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder (oder die “Gewerkschaftsdichte”) und in vielen Fällen wesentlich höher, denn wenn Gewerkschaften Tarifverträge schließen, zielen sie darauf ab, alle am Arbeitsplatz abzudecken, auch diejenigen, die nicht unbedingt zur Mitgliedschaft beigetreten sind. Die wirtschaftlichen und geschäftlichen Rahmenbedingungen werden in der ersten oder zweiten Runde der Tarifverhandlungen vorgestellt. Um ihre Position zu unterstützen, stellt jede Seite die relevanten Benchmark-Daten aus ihrer Perspektive vor. Darüber hinaus werden Empfehlungen von Wirtschaftsinstituten und/oder Experten diskutiert. Die Profitabilität und wettbewerbsorientierte Position der Unternehmen stehen im Mittelpunkt der Diskussion ebenso wie die Geschäftsentwicklungsprognosen und die Lohnsituation der Mitarbeiter.

Auch Tarifverträge, die in anderen Branchen geschlossen werden, können eine entscheidende Rolle spielen. Die Ursachen für einen höheren oder niedrigeren Tarifabschluss werden weithin diskutiert. Häufige Ursachen werden oft als folgende identifiziert: Im Juli 2011 unterzeichneten die deutschen Sozialpartner in der privaten Versicherungswirtschaft einen Tarifvertrag für 160.000 Büroangestellte in der Branche.